Schwäbische Zeitung

Presseveröffentlichung vom 20.12.2019

Wenn Geld abheben kostet

Immer mehr Banken verlangen Gebühren – Kunden von VRBanken häufiger betroffen

Von Horst Biallo

Schondorf - Einzig die Sparda-Banken bieten ihren Kunden noch einen Service, der bis vor Kurzem überall in Deutschland Standard war: Dass Bankkunden am Schalter, am Geldautomaten und bei anderen Sparda-Banken an ihr Geld kommen, ohne dafür extra zahlen zu müssen.

Bei gut 800 von rund 1300 Banken und Sparkassen ist das mittlerweile anders. Das zeigt die jüngste Marktuntersuchung des Verbraucherportals biallo.de.

Vor etwa fünf Jahren setzte die Erosion dieser kostenlosen Dienstleistung bei den Geldabhebungen am Bankschalter ein. Kassierten dafür erst vereinzelt einige Banken und Sparkassen, breiteten sich diese Gebühren aus. Mittlerweile gibt es sie bei zwei Dritteln von circa 1300 Geldhäusern. Schlimm hat es die Online-Kunden der Stadtsparkasse Cuxhaven erwischt: Sie zahlen im Kontomodell „GiroPc“ 3,50 Euro für jede Abhebung.

Kunden, die sich über diese Gebühren ärgerten, verwiesen die Herren des Geldes auf die Gratisversorgung an den Geldautomaten – nach dem Motto: „Bloß raus mit den Kunden aus den Schalterhallen.“ Sie hatten damit offensichtlich so großen Erfolg, dass die Einnahmen anderweitig aufgefüllt werden mussten.

Was ist da naheliegender, als den Kunden die gleiche Medizin zu verabreichen und diese Form der Bargeldversorgung auch mit Gebühren zu versehen. Das ging dann Schlag auf Schlag. Vor rund zweieinhalb Jahren waren es schon gut 300 Institute, die Cent- und Eurobeträge für die Nutzung der eigenen Geldautomaten oder der im Verbund genommen haben. Heute sind es mehr als 500. Dieses griff bei den Volks- und Raiffeisenbanken (VR-Banken) deutlich schneller um sich als bei den Sparkassen. Knapp die Hälfte von 900 VR-Banken sind heute davon betroffen, aber nur rund 100 von knapp 400 Sparkassen.

Die Gebühren werden fällig, wenn die Kunden ein günstiges Filial- oder Onlinekonto für weniger als fünf Euro im Monat wählen. Bei den teuren Premiumkonten, bis hin zu 30,00 Euro im Monat, werden sie davon verschont.

Wer „fremdgeht“, zahlt

173 Geldhäuser richten ihre Preispolitik nach moralischen Grundsätzen aus: Wer „fremdgeht“, der zahlt. Das heißt: Wer treu an den Automaten seiner VR-Bank oder Sparkasse geht und dort sein Geld holt, zahlt nichts. Anders ist das bei fremden Sparkassen- beziehungsweise VR-Bankautomaten. Beispiel Sparkasse Wittgenstein im Sauerland: Vor Ort ist es kostenlos. Geldabheben bei einer fremden Sparkasse wird mit einem Euro pro Verfügung bestraft.

Was viele Kunden nicht wissen: Die Banken und Sparkassen sind sich untereinander auch nicht grün und verlangen gegenseitig Gebühren, wenn fremde Kunden kommen. Bei den Sparkassen sind es 0,76 Euro pro Abhebung. Die VR-Banken stellen sich jedes Mal 1,02 Euro gegenseitig in Rechnung. Und genau diesen Betrag verlangen viele dann auch von ihren Kunden, um nicht auf diesen Kosten sitzen zu bleiben.

Unverständlich: Während die einen Strafen fürs „Fremdgehen“ verhängen, fördern andere genau das – .nämlich genau 60 Institute. Einige davon aus den neuen Bundesländern. So beispielsweise die Sparkasse Ostprignitz-Ruppin. 39 Cent kostet die Abhebung daheim, aber nichts bei einer fremden Sparkasse.

Rund 300 Geldhäuser im Bundesgebiet setzen sich über alle moralischen Bedenken hinweg und kassieren immer fürs Geldabheben, gleich wo und wie man ans Bargeld will. Das ist zum Teil im bayerischen Oberland der Fall. Die Raiffeisenbank im Oberland stellt dafür jedes Mal 35 Cent in Rechnung. Die Sparkasse nimmt sogar 60 Cent für die Automaten-Nutzung und 1,50 Euro von dem, der es wagt, sich das Geld persönlich geben zu lassen. Bei der Kreissparkasse Ravensburg ist die Bargeldauszahlung am Geldautomaten kostenlos, am Schalter jedoch wird dem Onlinekunden ein Euro pro Abhebung berechnet.

Etwas günstiger fahren die Kunden der Volksbank Allgäu-Oberschwaben. Während hier das Geldabheben am Automaten auch kostenfrei ist, zahlen sie am Schalter nur 60 Cent.

Die Volksbank Allgäu-Oberschwaben bietet ihren Kunden eine kostenlose Bargeldversorgung am Automaten an. Am Schalter aber verlangt die Bank 60 Cent pro Auszahlung.

Schließlich gibt es auch noch Banken, die ihre Preise nach der Uhrzeit ausrichten. Eine davon ist die VR-Bank Passau. Wer sich von Montag bis Freitag zwischen acht und 17 Uhr Geld auszahlen lässt, der zahlt nichts – ansonsten werden 0,35 Euro Buchungsposten berechnet.

800 von 1300 untersuchten Geldhäusern kassieren Gebühren. Die werden meist fällig, wenn die Kunden ein günstiges Filial- oder Onlinekonto für weniger als fünf Euro im Monat wählen. Foto: Zucchi Uwe/dpa

Quelle: Presseveröffentlichung | letzte Aktualisierung 18.01.2021

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