Schwäbische Zeitung

Presseveröffentlichung vom 17.12.2019

Wie kann mein 19-jähriger Sohn für später vorsorgen?

Bei der Telefonaktion der „Schwäbischen Zeitung“ beantworten Experten Leserfragen zum Thema Vermögens- und Geldanlage

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Ravensburg - In Zeiten, in denen es keinen risikolosen Zins mehr gibt, sondern nur noch ein zinsloses Risiko, verfassen schon viele Chefvolkswirte deutscher Kreditinstitute einen Nachruf auf den Zins. Schon die vergangenen Jahre waren für Anleger eine enorme Herausforderung, positive Erträge zu erzielen. Die kommenden Jahre werden diese Situation noch einmal deutlich verschärfen. Bei der Telefonaktion der „Schwäbischen Zeitung“ haben Leser den Anlage-Experten Lars Roth (Volksbank Altshausen), Herbert Birker (Volksbank Allgäu-Oberschwaben) und Matthias Reiter (Kreissparkasse Ravensburg) ihre Fragen gestellt.

Ist es sinnvoll, einen Immobilienfonds monatlich zu besparen?

Grundsätzlich ja. Auch weil die Anbieter Einmalbeträge limitieren. In der Regel legen Fondsgesellschaften Tranchen auf. Außerhalb der Tranchen sind keine Einzahlungen möglich. Wenn die Tranchen erschöpft sind, sollten Sie nach anderen Anlagemöglichkeiten für Ihr Geld schauen.

Ich bin 81 Jahre alt, habe einiges an Vermögen angesammelt. Was soll ich tun?

Sie sollten nur so viel Geld als Liquidität nicht fest anlegen, wie sie im Notfall brauchen. Der Notfall könnte beispielsweise Pflegeheim heißen, das kostet im Monat 4500 Euro. Von diesem Betrag gehen der Anteil ab, den die Pflegekasse zahlt, und Ihre Rente. Den Betrag, der übrig bleibt, sollten Sie 60 Monate lang zahlen können. Den Rest können Sie anlegen. Möglicherweise beziehen Sie Ihre Kinder mit in die Entscheidung ein.

Ich habe 15 000 Euro und brauche dieses Geld in den nächsten fünf Jahren nicht. Was soll ich tun, wenn ich es konservativ anlegen will?

Sie sollten einen Teil als Liquiditätsreserve auf einem Tagesgeldkonto liegen lassen. Den Rest defensiv in einem Immobilienfonds anlegen und möglicherweise nach und nach in Anlagen mit Aktienkomponenten umschichten.

Ich bin 82 Jahre alt und suche einen Ersatz für mein Tagesgeldkonto, das keine Zinsen mehr bringt. Ich habe gehört, dass es in Ländern wie Rumänien oder Lettland noch Zinsen gibt. Stimmt das?

Der geringe Mehrertrag steht in keinem Verhältnis zum Währungsrisiko und den Gefahren im Hinblick auf einen anderen Rechtsraum. Sie sollten eher daran denken, einen Teil Ihres Geldes in einen internationalen Aktienfonds, möglicherweise mit Beimischung eines offenen Immobilienfonds, zu stecken. Wie hoch der Aktienanteil ist, hängt von Ihrer Risikobereitschaft ab. Eine alte Börsenregel lautet: 100 minus Lebensalter - also bei Ihnen etwa 20 Prozent.

Meine Frau hat mehrere Geldanlagen, aber sie weiß gar nicht genau was. Was soll sie tun?

Der Gesetzgeber sieht vor, dass Kunden regelmäßig über den Stand ihrer Anlagen informiert werden. Mindes-tens einmal im Jahr, bei bestimmten Anlagen auch vierteljährlich. Überprüfen Sie, ob Ihre Frau diese Meldungen bekommt, und überprüfen Sie die Kosten. Sie sollten schauen, wie hoch der Anteil von Aktienprodukten ist – und die Papiere von einem Experten anschauen lassen.

Wie soll ich mein Geld anlegen – in einem Investmentfonds-Depot oder in einem Bank-Depot?

Die Gebühren eines Bank-Depots richten sich nach dem Volumen des Vermögens, das in dem Depot liegt. Ein Investmentfonds-Depot ist dagegen kostengünstiger, hat aber nur eingeschränkte Verwahrmöglichkeiten.

Was ist der Unterschied zwischen ETFs und aktiv gemanagten Fonds? Und wie hoch sind die jeweiligen Gebühren?

Mit Exchange Traded Funds (ETF) sind meist Fonds gemeint, die einen bestimmten Aktienindex wie etwa den DAX nachbilden. Sie sind bei den Gebühren wesentlich billiger als aktiv gemanagte Fonds, weil keine Fondsmanager die Entscheidungen treffen. Bei aktiv gemanagten Fonds, die teurer sind, kaufen und verkaufen Fondsmanager Anlagetitel, um Risiken zu umgehen und die Rendite zu erhöhen.

Ich habe 100 000 Euro auf dem Sparbuch. Was soll ich mit dem Geld machen?

Die erste Frage ist, welche anderen Vermögenswerte Sie noch besitzen. Wenn Sie Immobilien haben, sollten Sie schauen, welche Liquidität Sie für den Unterhalt als Notfall zurückhalten sollten. Vom Rest sollten Sie einen Teil mittelfristig und einen Teil langfristig anlegen. Dabei sollten Sie auch immer im Auge haben, welche Risiken Sie aushalten wollen und können.

Gibt es aktuell eine Immobilienblase?

Die Europäische Zentralbank wird die Zinsen in den nächsten Jahren weiter so tief halten. Dadurch wird die Nachfrage nach Sachwerten wie Immobilien, Aktien und Edelmetallen weiter hoch sein. Eine Preisblase bei Immobilien gibt es nicht, die Nachfrage nach Wohnungen und Immobilien ist weiter sehr hoch.

Was bringt eine zehnjährige deutsche Staatsanleihe gerade an Zinsen?

Minus 0,3 Prozent – das heißt, Sie erhalten nach zehn Jahren drei Prozent weniger zurück, als Sie angelegt haben. Mit der Inflation erhöht sich der Kaufkraftverlust auf fast 20 Prozent.

Ich habe 2008 eine fondsgebundene Lebensversicherung abgeschlossen – Laufzeit bis 2034. Aktuell liegt die Versicherung bei minus 700 Euro, die monatliche Besparung bei 150. Was sagen Sie zu dieser Anlage?

Sie haben die Versicherung zu einem Zeitpunkt abgeschlossen, als die Aktienmärkte sehr tief standen, trotzdem sollten Sie jetzt nicht im Minus sein. Sie sollten mit einem Finanzberater die Kosten- und Anlagestruktur überprüfen – und dann entscheiden.

Mein Sohn ist 19 Jahre alt und im dritten Lehrjahr. Wie kann er für später vorsorgen?

Eine monatliche Besparung eines Aktienfonds ist hier sinnvoll. Das ist bereits ab 50 Euro pro Monat möglich. Nicht zu vergessen sind natürlich die staatlich geförderten Produkte, zum Beispiel Riester-Versicherungen. Nach der Lehre kann er sich über die betriebliche Altersvorsorge bei seinem Arbeitgeber informieren. Arbeitgeber unterstützen diese Art der Vorsorge gemäß den Vorschriften des Betriebsrentenstärkungsgesetzes mit mindestens 15 Prozent aus dem Umwandlungsbetrag.

Ich bin 67 Jahre alt und bekomme bald diverse Versicherungen ausbezahlt. Wie soll ich das Geld anlegen?

Das Geld, das Sie in den nächsten fünf Jahren als schnelle Liquidität brauchen, sollten Sie in klassischen Bankanlagen wie Tagesgeldkonten anlegen. Als Ergänzung sind Investitionen zwischen zehn und 15 Prozent des Geldvermögens in Edelmetalle sinnvoll.

Euromünzen vor einem Börsenchart: Schon mit 50 Euro im Monat können junge Menschen für ihr Alter vorsorgen. Foto: dpa/Andrea Warnecke

Quelle: Presseveröffentlichung | letzte Aktualisierung 01.02.2021

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