Schwäbische Zeitung

Presseveröffentlichung vom 13.12.2019

Angespannte Situation auf dem Mietwohnungsmarkt

Das sagen Leutkircher Makler zur aktuellen Lage – So viele Wohnungen vermietet die Stadt selbst

Von Patrick Müller

Leutkirch - Die Situation auf dem Leutkircher Mietwohnungsmarkt ist angespannt. Wie sehr, davon zeugen sowohl entsprechende Sucheinträge in den sozialen Netzwerken als auch die Einschätzungen der lokalen Makler. Kommen Wohnungen auf den Markt, sind sie in der Regel schnell wieder vergeben.

Vor Kurzem machte eine Nutzerin in der Facebook-Gruppe „Du weißt, dass Du aus Leutkirch kommst, wenn...“ ihrem Unmut über den Wohnungsmarkt Luft. Als Pärchen mit Hund eine Mietwohnung zu finden, sei in Leutkirch und der Umgebung „kaum noch möglich“. Über 90 Kommentare sind inzwischen unter ihrem Post zu finden.

„Es herrscht eine sehr angespannte Situation auf dem Mietwohnungsmarkt, da die Nachfrage deutlich höher ist als das Angebot. Dies gilt für alle Wohnungsgrößen – unabhängig ob die Wohnung innerhalb der Stadt oder in den angrenzenden Ortschaften angeboten wird“, sagt Harald Städele, der bei der IVG Leutkirch für den Bereich Verkauf und Vermietung zuständig ist. Eine Einschätzung, die auch seine Kollegen Kai Oesterle vom gleichnamigen Immobilienbüro, Daniela Rauh von der Volksbank Allgäu-Oberschwaben und Konrad Kühner von der Kreissparkasse Ravensburg in ähnlichen Worten teilen.

„Bei einer Neuvermietung haben wir immer eine sehr große Nachfrage und schnell einen Mieter gefunden. Die Herausforderung liegt mehr darin, die vielen Anfragen zu bearbeiten, die vielen Besichtigungen durchzuführen und den geeignetsten Mieter zu finden“, so Oesterle. Ein Mieter sei dagegen unter Umständen lange auf der Suche, durchaus auch über mehrere Monate hinweg.

„Sowohl kleine Wohnungen für Singles oder Paare, als auch große Wohnungen für Familien sind gefragt und schwer zu finden“, sagt Rauh. Eine besonders große Nachfrage, so Oesterle, bestehe nach größeren Wohnungen und Miethäusern direkt in Leutkirch in einer guten, familiengerechten Wohnlage – also nahe Kindergarten, Schulen und dem Stadtzentrum. Etwas einfacher, so zumindest die Einschätzung von Kühner, sei es, Ein-Zimmer-Appartements zu finden, da es hier öfters zu Mieterwechseln kommen würde.

Wenn dann doch mal eine Wohnung auf dem Markt ist, hat der Vermieter eine große Auswahl an Interessenten. „Die Vermieter haben unterschiedliche Vorstellungen über einen neuen Mieter. Wir als Makler stellen dem Vermieter die Interessenten vor und er sucht sich den neuen Mieter aus. Aufgrund der hohen Anzahl der Bewerbungen fällt dies auch dem Vermieter nicht leicht“, so Städele. Suchen würden diese sympathische Mieter, die gut mit ihrer Wohnung umgehen, in die Hausgemeinschaft passen und sich die Miethöhe leisten können, beschreibt Rauh die Kriterien, nach denen die Vermieter in der Regel die Auswahl treffen.

Auch Oesterle erklärt, dass in erster Linie die Bonität ausschlaggebend sei. Also etwa, ob der Mietinteressent eine Festanstellung ohne Befristung und eine positive Wirtschaftsauskunft vorweisen kann. Natürlich seien aber auch andere Faktoren von Bedeutung. Teilweise seien zum Beispiel bestimmte Haustiere, wie etwa oft Hunde, nicht erwünscht, die Mieter sollten Nichtraucher sein und die Anzahl der im Haushalt lebenden Personen sollte zur Wohnungsgröße passen. Kühner beschreibt den „Vermietertraum“ so: Ein junggebliebenes Rentnerehepaar, Nichtraucher, ohne Kinder und Haustiere, die sich um kleinere Reparaturen selbst kümmern.

Konkret gefragt nach den Chancen einer fiktiven alleinerziehenden Mutter mit zwei Kindern und einem Teilzeitjob sagt Oesterle: „Die Interessentin wird sich generell schwerer tun. Das hat aber nicht zwingend zu bedeuten, dass sie nur in den Ortschaften fündig wird. Es kommt unter anderem auf die Anforderungen der Interessentin an die Wohnung an. Es gibt durchaus auch günstigere Wohnungen direkt in Leutkirch, die insgesamt nicht so stark nachgefragt sind und daher für sie eine Chance sein könnten. Zum Beispiel Wohnungen im Zentrum ohne Garten oder ohne Stellplatz.“ Rauh sagt mit Blick auf diese, in diesem Fall fiktive Person, dass auch der persönliche Eindruck ihrer Einschätzung nach einen großen Einfluss hat. Kühner betont, dass diese Interessentin „viel Glück und Engagement“ brauchen würde, um hier in der Region auf dem normalen Wohnungsmarkt fündig zu werden.

Unter anderem deswegen ist Kühner überzeugt, dass es städtische Wohnbaugesellschaften geben muss, die für Menschen, die auf dem „ersten Mietwohnmarkt“ keine Chance haben, entsprechenden Wohnraum bereithalten. Laut Stadtverwaltung gibt es derzeit 18 Sozialwohnungen in Leutkirch, die allesamt der GSW Sigmaringen gehören. „Die Stadt selbst vermietet derzeit insgesamt 78 Wohnungen, die sich am Mietspiegel orientieren“, so Thomas Stupka von der Stadtverwaltung.

Neben der öffentlichen Hand und finanzstarken Investoren sei der klassische Mittelständler, der zur Kapitalanlage in Immobilien investiert, eine wichtige dritte Säule für den Mietwohnmarkt, so Kühner. Zum einen agiere dieser eher auf Augenhöhe mit dem Mieter als etwa ein großer Immobilienkonzern, zum anderen seien dessen Mietforderungen oft moderater. Umso wichtiger sei es deswegen, dass diese besser geschützt werden, etwa vor Mietnomaden, die es laut Kühner auch hier in der Region durchaus gebe. Wenn der Mittelständler, der sein Kapital in diese eine Immobilie gesteckt hat, einen Mieter, der keine Miete bezahlt und gleichzeitig die Wohnsubstanz beschädigt, teilweise erst nach zwei Jahren aus seiner Wohnung bekommt, komme dieser unter Umständen selbst in wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Dauerhafte Leerstände sehen sowohl Rauh als auch Oesterle trotzdem maximal als Einzelfälle an. Vermieter, die schlechte Erfahrungen gemacht haben, werden höchstens bei der Auswahl kritischer und anspruchsvoller, sagt Oesterle. Eine Einschätzung, die auch Städele teilt: „Vermieter, die schlechte Erfahrungen gemacht haben, wenden sich inzwischen wieder vermehrt an einen Makler, um in Sachen ,Selbstauskunft der Mieter,, Mietvertrag und Wohnungsübergabe eine gewisse Sicherheit zu erhalten.“ Und das, obwohl seit der Einführung des Bestellerprinzips viele Vermieter versuchen, ihre Wohnung ohne Beauftragung eines Maklers zu vermieten, so Städele.

Beim Blick in die Zukunft geht Kühner davon aus, dass der Markt weiter eng bleiben wird, solange die Arbeitslosigkeit in der Region so niedrig bleibt. Dazu komme, dass auch die Druckwelle aus den noch angespannteren Mietmärkten im Schussental spürbar sei.

„In Leutkirch sind überdurchschnittlich viele neue Arbeitsplätze entstanden, das zieht die Menschen natürlich besonders an. Um dem hohen Bedarf nachzukommen, verfolgen wir seit einiger Zeit einen ganzheitlichen Ansatz“, erklärt Stupka. So gebe es etwa Kooperation mit Leutkircher Betrieben, um Mitarbeiter-Wohnungen zu bauen. Und bei privaten Investoren schreibe die Stadt einen Anteil an Sozialwohnungen vor.

„Wir arbeiten mit Hochdruck an neuen Baugebieten und haben dafür auch einen neuen Mitarbeiter im Fachbereich Stadtplanung eingestellt“, so Stupka weiter. Dazu setze die Verwaltung seit vielen Jahren in allen neuen Bebauungsplänen, auch in den Ortschaften, einen Anteil an Geschosswohnungsbau fest und beteilige sich bei der Wohnrauminitiative „Herein“ der Caritas. Außerdem habe Leutkirch in städtischen Gebäuden, etwa in Herlazhofen und Hofs, zusätzliche Wohnungen ausgebaut und vermiete diese. Durch diesen ganzheitlichen Ansatz habe die Stadt „bereits sehr schnell Erfolge“ erzielt.

Insgesamt, so die Verwaltung, konnten in den letzten sechs bis acht Jahren durch Nachverdichtung oder Umnutzung rund 250 neue (Geschoss-)Wohnungen realisiert werden. Weitere über hundert Wohnungen seien in den letzten fünf Jahren durch Neubaugebiete dazugekommen. Nichtsdestotrotz sei der Bedarf „immer noch sehr groß“, wie überall in der Region sei der Wohnungsmarkt in Leutkirch „schwierig“. Durch neue Baugebiete und das private Projekt „Storchengärten“ würden in den nächsten rund fünf Jahren aber nochmals etwa 600 Wohnungen dazukommen, davon etwa hundert Sozialwohnungen.

Egal, ob wie hier in der Kernstadt oder in den Ortschaften – der Wohnungsmarkt in Leutkirch ist für Mieter schwierig. Foto: Heinz Mauch

Quelle: Presseveröffentlichung | letzte Aktualisierung 20.01.2021

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