Schwäbische Zeitung

Presseveröffentlichung vom 17.07.2019

So rettet man mit einem Defibrillator Leben

Bei einem Herzstillstand können Sekunden über Leben und Tod entscheiden - Was im Ernstfall zu tun ist

Von Marlene Gempp

Kisslegg - Der Patient war nicht ansprechbar, atmete nicht mehr. Ein Herzinfarkt. Silvio Paoli war als Helfer vor Ort im Einsatz und somit als Erster beim Patienten. Sofort begann er mit einer Herzdruckmassage. Ein Kollege traf ein, mit einem mobilen Defibrillator, einem sogenannten AED-Gerät. Der Schock des kurzen Stromschlags stabilisierte den Mann, die weitere Reanimation mit Herzdruckmassage war erfolgreich. Drei Wochen später kam er wieder aus dem Krankenhaus nach Hause. Daran erinnert sich Silvio Paoli, der mittlerweile hauptamtlich bei den Johannitern in Kißlegg arbeitet, noch gut. Der AED hat dem Mann das Leben gerettet.

Doch nicht nur ausgebildete Sanitäter können und sollen das Gerät anwenden. Es ist gerade auch für Laien gedacht, die erste Hilfe leisten müssen. Darum hängen automatisierte externe Defibrillatoren, kurz AEDs, in vielen öffentlichen Gebäuden (siehe Karte). Doch wie benutzt man das Gerät und welche Schritte sind dabei zu beachten? Rettungssanitäter Gabriel Hartmann von den Johannitern Kißlegg erklärt, wie man mit AED und Reanimation Leben retten kann:

Person ansprechen, die Atmung kontrollieren und in die stabile Seitenlage bringen.

Notruf absetzen.

Sollte die Person nicht mehr atmen: Sofort Notruf absetzen und mit der Reanimation beginnen. Die Leitstelle, die den Notruf entgegennimmt, leitet die Reanimation an und zählt den Rhythmus der Herzdruckmassage vor. Am besten das Telefon auf Lautsprecher stellen.

AED holen. Am besten setzt eine Person den Notruf ab, zwei Personen reanimieren und eine vierte holt einen AED. Die Herzdruckmassage sollte nämlich nicht unterbrochen werden. Dafür weitere Passanten ansprechen.

Einsatz des AED: Das Gerät leitet durch alle Schritte. Die Elektroden müssen nach Anweisung auf den Oberkörper des Patienten geklebt werden, dann wird ein Schock ausgelöst, der das Herzkammerflimmern stoppt.

Weiter reanimieren, bis die Rettungskräfte vor Ort sind.

Keine Angst haben. Der Schock des Defibrillators schadet dem Patienten nicht. Der Strom wird nur ausgelöst, wenn wirklich ein Kammerflimmern vorliegt, darauf ist das Gerät programmiert.

Auch muss man keine Angst vor gebrochenen Rippen bei der Reanimation haben. „Wenn überhaupt brechen Knorpel, nicht die Rippen“, erklärt Robert Lohr von den Johannitern. Außerdem: „Lieber eine gebrochene Rippe als den Herzstillstand riskieren. Alles, was man nicht macht, führt im schlimmsten Fall zum Tod eines Mitmenschen.“

Über das Jahr verteilt rücken die Kißlegger Johanniter im Schnitt zwei bis drei Mal im Monat zu einem Fall mit Herzstillstand aus. „Als Sanitäter muss die Reanimation einfach sitzen“, sagt Gabriel Hartmann. Ein AED ist dann natürlich immer im Rettungswagen mit dabei. Die Fälle von Herzstillstand treten vor allem bei Erwachsenen auf. Kinder leiden eher unter Atemwegsschwierigkeiten, erklärt Hartmann weiter. Ein AED könne daher bei Personen ab zwölf Jahren eingesetzt werden.

Laien, die Erste Hilfe leisten müssen, rät er: „Lieber einmal mehr als weniger einen AED einsetzen. Die Regel ist: Ein Patient atmet nicht mehr: Elektroden draufkleben.“ Denn wie bereits erwähnt: Der Schock löst nur aus, wenn er medizinisch gesehen Sinn ergibt. Einen gesunden Herzschlag erkennt das Gerät. Der nächste Erste-Hilfe-Kurs bei den Johannitern ist am Samstag, 27. Juli.

Wie die Reanimation und der Einsatz des AED funktioniert, sehen Sie in einem Erklärvideo unter

www.schwäbische.de/defi

Die Standorte der verfügbaren AEDs in der Region mit eventuellen Öffnungszeiten oder Einschränkungen der Gebäude finden Sie unter

www.schwäbische.de/defi-karte

Rund um die Uhr ist ein AED in der Volksbank an der Schlossstraße in Kißlegg verfügbar. Grafiken: Weinert

Quelle: Presseveröffentlichung | letzte Aktualisierung 20.01.2021

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