Schwäbische Zeitung

Presseveröffentlichung vom 12.07.2019

Das Leiden der Sparer geht einfach nicht zu Ende

Genossenschaftsbanken stimmen ihre Kunden auf weitere Jahre mit niedrigen Zinsen ein

Von Mischa Ehrhardt

Frankfurt - Die Genossenschafttsbanken rechnen damit, dass mindestens in den kommenden drei bis fünf Jahren die Zinsen in Europa nicht nennenswert steigen werden. Zugleich warnte der Bundesverband der Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) die Europäische Zentralbank (EZB), den bereits negativen Einlagezins noch weiter ins Minus zu drücken. „Die EZB darf nicht alleine die Inflation im Fokus behalten, sondern muss stärker die Folgen der Negativzinspolitik für die Wirtschaft insgesamt berücksichtigen“, forderte BVR-Präsidentin Marija Kolak in Frankfurt bei der Präsentation der abschließenden Jahresbilanz der genossenschaftlichen Finanzgruppe. Eine Staffelung des Strafzinses sei dringend erforderlich, um die Kreditinstitute durch Freibeträge zu entlasten.

Der Einlagezins ist sozusagen ein Strafzins, den Banken derzeit zahlen müssen, wenn sie Geld bei der EZB parken. Derzeit liegt dieser Zins bei minus 0,4 Prozent. Banken bekommen also für diese Einlagen keine Zinsen, sondern müssen bezahlen, wenn sie dort ihr Geld lagern wollen. Mit dieser Maßnahme will die Zentralbank erreichen, dass Banken ihre Gelder an Unternehmen in Form von Krediten ausgeben, statt es zu bunkern. Ziel ist es, die aus Sicht der Zentralbank zu niedrige Inflation im Euroraum anzuheizen, mindestens indirekt stützt die EZB damit aber auch die Wirtschaft im Euroraum. Wegen düsterer Konjunkturaussichten hatte EZB-Präsident Mario Draghi jüngst angedeutet, dass die Notenbank nachlegen, die Zinsen also weiter senken könnte.

Für Banken werde es angesichts dieses Zinsumfeldes immer schwerer, eine angemessene Profitabilität im Kundengeschäft zu erreichen, sagte Kolak weiter. „Insbesondere, wenn auf die Weitergabe der negativen Zinsen im Mengengeschäft verzichtet wird“. Kurz: Sollten die Zinsen noch weiter in den negativen Bereich rutschen, würden Banken überlegen müssen, ob sie diese Gebühren nicht auch an ihre Kunden weitergeben müssen.

Das wäre dann eine zusätzliche Belastung für Sparer. Denn ohnehin sind auch sie vom Nullzinsumfeld betroffen. So hat die Commerzbank-Tochter Comdirect errechnet, dass jeder Mensch in einem Haushalt - vom Kleinkind bis zum Rentner - seit 2010 knapp 1500 Euro verloren habe. „Pro Haushalt kommen da schnell mehrere Tausend Euro zusammen“, sagt Arno Walter, Vorstandvorsitzender von Comdirect. Das liegt daran, dass die mickrigen Zinsen, die Sparer für ihr Geld noch bekommen, von der Inflation aufgefressen werden: Die Preisteuerung löscht also die Zinsen aus und nagt am ersparten Vermögen.

Jedenfalls haben sich die Volksbanken und Raiffeisenbanken auch angesichts des schwierigen Marktumfeldes wacker geschlagen. Vor Steuern erwirtschafteten die im Verband zusammengeschlossenen 875 Institute einen Gewinn von 7,8 Milliarden Euro im vergangenen Geschäftsjahr. „Wir stellen das nie stark heraus“, sagte Gerhard Hofmann, Mitglied im Vorstand des BVR. „Aber wie sind europaweit eine der ertragsstärksten Bankenorganisationen im Moment“.

Nach Steuern ergab sich ein Überschuss von 5,4 Milliarden Euro, was einem Rückgang gegenüber dem Vorjahr von gut 670 Millionen Euro entspricht. Dieser Rückgang wiederum liegt aber weniger am schwierigen Zinsumfeld, als an Schwankungen an den Kapitalmärkten. Die hatten vor allem im zweiten Halbjahr 2018 zugenommen.

Der Ausblick schließlich für dieses Jahr ist bei den Genossenschaftsbanken verhalten optimistisch - der Verband erwartet ähnliche Ergebnisse wie im vergangenen Jahr, möglicherweise auch leicht rückläufige Zahlen. Allerdings seien wegen hoher geopolitischer Risiken - wie Handelskriegen - Prognosen ungleich schwerer zu treffen als in der Vergangenheit.

BVR-Präsidentin Marija Kolak: Sinken die Zinsen weiter, könnten die Banken die Negativerträge auch an Privatkunden weitergeben. Foto: Imago

Quelle: Presseveröffentlichung | letzte Aktualisierung 29.12.2020

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