Schwäbische Zeitung

Presseveröffentlichung vom 05.04.2019

Neue Geschäftsfelder gesucht

Genossenschaftsbanken rechnen weiter mit Ertragsdruck

Von Andreas Knoch

Bad Waldsee - Die zehn Volks- und Raiffeisenbanken in der Region Ravensburg-Bodensee-Sigmaringen haben ihr Kredit- und Einlagengeschäft im vergangenen Jahr zwar erneut deutlich gesteigert. Die Ertragskraft ging wegen des niedrigen Zinsniveaus jedoch abermals zurück. Wie Franz Schmid, Vorstandschef der Bezirksvereinigung (BZV), auf der Jahrespressekonferenz in Bad Waldsee mitteilte, sei das Kundenvolumen - im Wesentlichen also Kredite und Einlagen - um 4,5 Prozent auf gut 14 Milliarden Euro gestiegen. Die aus Bankensicht widrigen geldpolitischen Rahmenbedingungen hätten beim Zinsüberschuss, der traditionell wichtigsten Ertragssäule, aber zu einem Rückgang um 2,6 Prozent auf 125 Millionen Euro geführt. Etwas abgefedert wurde das Minus durch höhere Provisionen, etwa aus Kontoführungsgebühren oder dem Wertpapiergeschäft, die um 4,5 Prozent auf 46 Millionen Euro stiegen. „Wir brauchen ein jährliches Wachstum von fünf bis sechs Prozent, um unsere Erträge stabil zu halten“, sagte Schmid mit Blick auf die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank.

Was die Banken vor Herausforderungen stellt, ist für die Kreditkundschaft ein Segen. „Für Häuslebauer sind das natürlich tolle Begleitumstände“, bestätigte BZV-Vorstandsmitglied Jürgen Strohmaier. So seien Baufinanzierungen mit zehnjähriger Zinsfestschreibung aktuell für 1,4 Prozent, mit dreißigjähriger Zinsfestschreibung für 2,3 Prozent zu haben. Allerdings, so Strohmaier, stünden den günstigen Finanzierungskosten deutlich gestiegene Baupreise gegenüber. Besonders stark hätten sie in Ravensburg und am Bodensee angezogen. Doch selbst in Altshausen, berichtete Schmid, der neben seiner Funktion als BZV-Vorsitzender auch Chef der Volksbank Altshausen ist, „haben Einfamilienhäuser die Grenze von 500 000 Euro bereits deutlich überschritten“. Eine Preisblase will Schmid dennoch nicht erkennen. Dafür sei die Nachfrage noch immer zu hoch. „Das stabilisiert die Preise.“

Keine höheren Zinsen

Da die Banker nicht mit deutlich höheren Zinsen rechnen und der Druck auf die Erträge zunehmen dürfte, machen sie sich verstärkt Gedanken über Erweiterungen des bestehenden Geschäftsmodells. „Unser aktuelles Geschäftsmodell basiert auf Zinserträgen, und da haben wir ein Problem“, umriss Schmid die Situation und verwies etwa auf das Bankgeheimnis, das man im Zeitalter der Digitalisierung „monetarisieren könne“. Als Beispiel nannte Schmid einen „digitalen Banktresor“, an dem die Volksbankengruppe zusammen mit dem hauseigenen IT-Dienstleister arbeite, und der etwa als Datenspeicher, Kommunikationsplattform oder zur Authentifizierung genutzt werden könnte. Das sei zwar, so Schmid, „noch Zukunftsmusik“. Doch zwingen neue Wettbewerber die traditionellen Banken zu mehr Veränderung. Dabei gehe die größte Gefahr nicht mehr von den Fin-Techs aus, kleine Technologieunternehmen, die die Banken punktuell, etwa im Zahlungsverkehr, angreifen. Das größere Problem seien die Tech-Fins - große IT-Unternehmen wie Apple, Google oder Amazon, die direkten Kontakt zu Kunden haben und Finanzdienstleistungen als neues Geschäftsfeld entdeckten, sagte BZV-Vorstandsmitglied Klaus Remensperger.

Franz Schmid. Foto: Dufner

Quelle: Presseveröffentlichung | letzte Aktualisierung 29.12.2020

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