Schwäbische Zeitung

Presseveröffentlichung vom 30.03.2019

Interview: Die Hauerzer Alleinstellungsmerkmale

Ortsvorsteher Kurt Miller über Freibad, Flüchtlingsunterkunft, Bachstraße und Steinentaler Dorfweiher

sz

Hauerz - Guten Mutes, was die nähere Zukunft des Freibads betrifft, ist der Hauerzer Ortsvorsteher Kurt Miller. Im Gespräch mit SZ-Redakteur Steffen Lang ging es außerdem unter anderem um die Bachstraße, das Baugebiet, die Flüchtlingsunterkunft und den Weiher in Steinental.

Herr Miller, wieviele Stoßgebete schickt man als Hauerzer Ortsvorsteher gen Himmel, dass im Freibad nichts Gravierendes kaputt geht?

Kurt Miller: Naja, Beten hilft da wohl nichts. Aber wir haben schon Glück. Glück, dass wir von der Stadt die Zusage haben, das Bad betreiben zu dürfen, solange es keine große Schäden gibt. Und Glück, dass wir unglaublich engagierte Ehrenamtliche haben. Die DLRG sorgt mit 32 Mitgliedern nicht nur für die Absicherung des Badebetriebs, sondern tut auch viel drum herum, wie zum Beispiel die nach Ostern wieder anstehende Entwinterung. Aber auch außerhalb der DLRG gibt es Ehrenamtliche, die das Bad am Laufen halten. Ich denke da zualler-erst an die Familie Großmann.

Sind die „großen Schäden“ in der Abmachung mit der Stadt irgendwie beziffert?

Nein, es gibt keine feste Summe. Es wird im Ernstfall immer fallbezogen entschieden werden. Ich bin guter Hoffnung, dass das Freibad noch viele Jahre ein Alleinstellungsmerkmal für Hauerz sein wird. Gegen einen finanzstarken Spender, der uns das Bad renoviert, hätte ich natürlich trotzdem nichts einzuwenden.

Ein Alleinstellungsmerkmal von Hauerz innerhalb der Großgemeinde ist auch die Flüchtlingsunterkunft. Sie ist die einzige, die der Landkreis in Bad Wurzach noch betreibt.

Das ist richtig, und wir rechnen damit, dass wir sie noch einen mittelfristigen Zeitraum lang haben. Zurzeit ist sie mit 35 Personen aus Nigeria und Togo, vorwiegend junge Familien und alleinstehende Mütter mit ihren Kindern, voll belegt. Erst dieser Tage hat eine Frau wieder einen Jungen geboren.

Wie läuft es mit der Betreuung dieser Menschen? Vor allem die Organisation der Fahrdienste bereitete ja anfangs Kopfzerbrechen.

Das hat sich in den vergangenen fast zwei Jahren eingespielt. Die Flüchtlinge nutzen vor allem die normalen Busverbindungen. Im Notfall muss aber immer noch jemand vom Helferkreis einspringen und fahren. Intensiv betreiben drei Ehrenamtliche weiterhin Deutschkurse, vor allem für die Frauen. Das ist aber keine leichte Aufgabe. Viele Flüchtlinge haben auch mittlerweile Arbeit in hiesigen Betrieben gefunden, und die Rückmeldungen von dort sind durchweg positiv. An dieser Stelle möchte ich mich bei unserem Helferkreis für den unermüdlichen Einsatz ausdrücklich bedanken.

Wobei Hauerz ins öffentliche Nahverkehrsnetz nicht allzu gut eingebunden ist...

Ja, man merkt da schon, dass wir der nordöstliche Zipfel des Landkreises sind. Umso mehr freuen wir uns über den Marktbus der Stadt. Der ist ganz große Klasse. Viele ältere Einwohner nutzen ihn gerne und regelmäßig.

Die gute Nahversorgung in Hauerz ist ebenfalls nahezu ein Alleinstellungsmerkmal...

Ja, darüber freuen wir uns auch sehr. Der Gasthof „Adler“ mit Metzgerei, der Gasthof „Neubau“ mit Metzgerei, die Gaststätte Bräuhaus und die Bäckerei Mang mit einem kleinen Tante-Emma-Laden schaffen eine sehr angenehme Situation für die Hauerzer. Vor allem freut es uns sehr, dass sowohl bei Mangs als auch bei Seifs mit dem „Neubau“ die junge Generation den Fortbestand sichern will.

Immer mehr Eltern nutzen ihr Recht auf einen Betreuungsplatz für ihre ein- bis dreijährigen Kinder. Wird das in Hauerz zu Platzproblemen führen?

Noch haben wir kein Problem. Aber das könnte auf uns zukommen, weil diese Betreuung immer stärker nachgefragt wird. Der Kindergarten St. Martin, der in katholischer Trägerschaft ist, ist vor wenigen Jahren renoviert und um einen Gruppenraum erweitert worden. Ein weiterer Ausbau ist schwierig. Wenn nun viele Ein- bis Dreijährige angemeldet werden, werden diese auf die Einrichtungen in Bad Wurzach ausweichen müssen.

Mit dem geplanten Neubaugebiet könnte das ja passieren, oder?

Zumindest sind dort im Bereich Schlehenweg/Kirschenweg mal gut 20 Bauplätze geplant, schon seit Ende der 1990er-Jahre übrigens. Mit der Volksbank Allgäu-Oberschwaben haben wir jetzt einen Erschließungsträger als Partner gefunden. Spätestens im Sommer wollen wir ins behördliche Genehmigungsverfahren. Wenn alles gut läuft, könnte ein Jahr später die Erschließung beginnen. Das ist dann für längere Zeit aber das Ende der Baugebiete in Hauerz, denke ich. Dann gibt es nur noch die Lückenbebauung.

Mehr Häuser bedeuten auch mehr Arbeit für die Hauerzer Kläranlage. Ist sie dafür gerüstet?

Sie wird vom städtischen Klärwerkteam super in Schuss gehalten. Aber ja, sie kommt langsam ans Limit. Auch insofern sind uns Grenzen des Wachstums gesetzt.

Die Firma Wintershall hat vor geraumer Zeit die Möglichkeit der Wiederaufnahme der Erdölförderung auf Hauerzer Gebiet untersucht. Wissen Sie Näheres über die Ergebnisse?

Nein, ich habe von Wintershall schon lange nichts mehr gehört. Meines Wissens läuft die Auswertung der Untersuchung noch.

Die Straße von Hauerz nach Rot wirkt sanierungsbedürftig.

Eine Sanierung oder noch besser ein Ausbau der L 301 wäre in unserem Interesse. Ich habe auch mal vor drei oder vier Jahren beim Landratsamt nachgefragt. Damals hieß es, es gebe eine Planung. Aber ich denke, es wird eher mittel- als kurzfristig etwas geschehen. Vorteil des derzeitigen Zustands ist natürlich, dass der Schwerlastverkehr diese Straße eher meidet, auch wenn er auch bei uns stetig zunimmt.

Weiter ist man da mit der Bachstraße, speziell mit der dortigen Brücke. Die Stadt hat sie in ihr Sanierungsprogramm mit einer Kostenschätzung von 750 000 Euro aufgenommen.

Ja, da sind wir intensiver in die Planung eingestiegen. Zwei Sachen machen die Maßnahme dabei so teuer: Die Straße entlang des Sendener Bachs ist mauergestützt, und diese Mauer ist marode. Und zum Zweiten ist der Bach ein FFH-Gebiet, was bei der Sanierung besondere Schutzvorkehrungen nötig macht. Zudem hoffen wir, dass die ganze Bachstraße im Zuge der Brückensanierung gleich mitgerichtet wird.

Gibt es noch weitere Sanierungsobjekte in Hauerz?

Im Großen und Ganzen ist alles gerichtet. Nur die ansonsten sanierte Turnhalle benötigt eine neue Heizung, das wird nochmal eine größere Geschichte. Darüber hinaus haben wir nur noch kleinere Maßnahmen, zum Beispiel den Dorfweiher in Steinental, auf der Liste. Er verlandet, ist aber angesichts der Beckenlage des Orts als Hochwasserschutz wichtig. Außerdem will ihn die Feuerwehr als Löschwasserreservoir erhalten. Er müsste also ausgebaggert werden.

Am 26. Mai sind Ortschaftsratswahlen. Wie läuft die Kandidatensuche?

Wir werden wieder eine Interessentenliste zusammenstellen. Wer kandidieren möchte, ist immer noch herzlich willkommen und kann sich bei mir melden. Zwei, eventuell drei Ortschaftsräte werden leider aufhören.

Sie selbst machen weiter, als Ortschaftsrat und als Ortsvorsteher?

Wenn ich wieder gewählt werde, gerne. Ich bin vor fünf Jahren in dieses Amt ein bisschen hineingerutscht, aber der Spaß kam mit der Arbeit. Ich sehe sie nicht als Bürde, sondern als demokratische Pflicht, die ich gerne wahrnehme - auch in Absprache mit meiner Frau, die mir den Rücken freihält und mir eine gute Beraterin ist.

Das Freibad hat eine Bestandsgarantie, solange es keine größeren Schäden gibt. Foto: Steffen Lang

Quelle: Presseveröffentlichung | letzte Aktualisierung 20.01.2021

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