Schwäbische Zeitung

Presseveröffentlichung vom 10.01.2019

Mehr Frauen ins Parlament

Initiative BoRa will Frauen ermutigen, zu kandidieren und Frauen zu wählen

Von Steffen Lang

Bad Wurzach - Mehr Frauen in die kommunalen Parlamente. Das ist das Ziel der überparteilichen Initiative "BoRa - Frauen für die Politik". Sie lädt am 23. Januar, 19 Uhr, in Bad Wurzach, Maria Rosengarten, zu einem Infoabend ein.

72 Abgeordnete hat der Ravensburger Kreistag, davon sind neun Frauen (12,5 Prozent). Im Bodenseekreis gibt es bei 58 Sitzen acht Kreisrätinnen (13,8). Und im Bad Wurzacher Gemeinderat sind vier der 23 gewählten Volksvertreter Frauen (17,0). Alle drei Gremien spiegeln damit höchst unzureichend die Gesellschaft wider, in der mehr als die Hälfte der Menschen weiblichen Geschlechts sind.

"Das muss sich ändern. Wir brauchen eine Initiative, die auf diesen Umstand aufmerksam macht und Frauen motiviert, für die Wahl zu kandidieren und Frauen zu wählen." Diesen Gedanken hätten die Ravensburger Kreisrätinnen über alle Fraktionsgrenzen hinweg schon nach der ersten Sitzung im Jahr 2014 gehabt, erinnert sich Hildegard Fiegel-Hertrampf, Kreisrätin der Grünen aus Baienfurt.

Initiative ist überparteilich und überregional

Aus dem Gedanken entstand die überparteiliche und überregionale Initiative BoRa (für Bodensee-Ravensburg). Mit Infoabenden ist sie im Vorfeld der nun wieder anstehenden Kommunalwahlen (26. Mai) auf Tour. In Bad Wurzach wird es die 15. Veranstaltung geben, maßgeblich angeschoben von Stadträtin Gisela Brodd (Freie Wähler).

Vorgesehen ist nach dem Grußwort der Bad Wurzacher Bürgermeisterin Alexandra Scherer (CDU) - als Frau ebenfalls eine Exotin in der Riege der Stadt- und Gemeindeoberhäupter der Region - eine lockere Gesprächsrunde mit Frauen, die entweder schon in Gemeinderäten oder Kreistagen sitzen oder dafür kandidieren. Die Moderation hat SZ-Redakteurin Marlene Gempp. "Wir wollen Frauen Lust auf Kommunalpolitik machen", kündigt Fiegel-Hertrampf an, "und aufklären, was man als Abgeordnete macht und wie man sich organisieren kann." Informiert werde auch darüber, wie hoch Aufwandsentschädigungen sind und dass es Zulagen für Babysitten oder für die Pflege von Angehörigen gibt.

"Wir werden aber auch offen und ehrlich klarmachen, was an Arbeit auf einen zukommt, wenn alle zwei Wochen eine Sitzung ist und man dazu noch in der Gemeinde präsent sein sollte", ergänzt Brodd. "Und wir sagen auch deutlich, dass eine Kandidatur nicht gleichbedeutend ist mit Gewähltsein. Wer kandidiert, muss auch damit umgehen können, nicht gewählt zu werden."

Seit 2014 ist Gisela Brodd Stadträtin und Ortschaftsrätin in Unterschwarzach. "Frauen haben manchmal eine andere Sicht auf die Dinge als Männer, zum Beispiel bei Schul- und Sozialthemen", hat sie in diesen Jahren bemerkt. "Wir sind oft Fachfrauen, weil wir den Alltag kennen", ergänzt Christa Stierle, Kreis- und Gemeinderätin der Freien Wähler aus Berg. Dabei müsse frau nicht Ärztin oder Rechtsanwältin sein, um gute Voraussetzungen fürs Amt mitzubringen: "Wichtig ist der gesunde Menschenverstand. Denn es geht um unseren Alltag, unser direktes Umfeld. Was frau darüber weiß, ist für die Arbeit in den Gremien schon sehr hilfreich."

Nicht auf Frauenthemen beschränken

"Freude zu haben, Dinge mitzugestalten, ist die wichtigste Voraussetzung für dieses Ehrenamt. Und gestalten, das geht, gerade auf der Ebene vom Ortschaftsrat bis zum Kreistag", sagt Alexandra Scherer, die dazu betont, dass "Frauen sich nicht nur auf Frauenthemen beschränken" sollten.

Den Frauen der Initiative BoRa geht es aber nicht nur darum, möglichst viele Frauen als Kandidatinnen zu gewinnen. "Wichtig ist auch, dass Frauen bei den Wahlen am 26. Mai auch für Frauen stimmen", sagt Ingrid Staudacher, Ravensburger Kreistags- und Gemeinedratskandidatin der SPD. Auch so würde sich der Frauenanteil in den kommunalen Parlamenten erhöhen, ist sie überzeugt. "Wir arbeiten dabei nicht gegen die Männer", ist Hildegard Fiegel-Hertrampf wichtig zu betonen, "sondern mit ihnen gemeinsam". Nach anfänglicher Zurückhaltung werde BoRa von vielen Kreisräten und immer mehr Bürgermeistern unterstützt, berichtet Christa Stierle. Auch Männer sind daher ausdrücklich zum Infoabend willkommen.

Unterstützt wird die Initiative von der Kontaktstelle "Frau und Beruf" und deren Leiterin Martina Schmidt. "Sie ist uns mit ihrem Netzwerk und ihrer Infrastruktur eine wertvolle Hilfe", sagt Ingrid Staudacher. Beim Infoabend in Bad Wurzach treten die Volksbank Allgäu-Oberschwaben, die Bäckerei Steinhauser und das Blumenhaus Grad als Unterstützer auf.

Der Infoabend beginnt am Mittwoch, 23. Januar, um 19 Uhr im Sitzungssaal von Maria Rosengarten in Bad Wurzach. Nach Begrüßung und Grußwort gibt es eine Talkrunde, bevor die Teilnehmer/innen bei Umtrunk und Imbiss in kleiner Runde ins Gespräch kommen können. Für Musik sorgen Lothar Kraft und Stefan Sigg.

Sie hoffen, viele Frauen begeistern zu können (von links): Gisela Brodd, Martina Schmidt, Hildegard Fiegel-Hertrampf, Ingrid Staudacher, Christa Stierle und Alexandra Scherer. Foto: Steffen Lang

Quelle: Presseveröffentlichung | letzte Aktualisierung 29.01.2021

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